Aktuelle Tätigkeiten

  • Sammeln von Gewöllen und Mausknochen

  • Erstellen der Objekt- und Literaturdatenbanken.

Ausgangslage

Für das Monitoring von Mäusen wird aktuell hauptsächlich mit Lebendfallen gearbeitet. Dies ist sehr zeitaufwändig und nicht bei allen Tieren ist die Fangwahrscheinlichkeit gleich hoch. Es wäre deshalb hilfreich, ergänzend andere Methoden hinzuziehen zu können. Eine Möglichkeit sind Knochen aus Eulengewöllen. Auch die Eulen selektieren ihre Beute und die Gewölle alleine lassen somit keine endgültigen Aussagen zu. Sie könnten aber das Bild der Lebendfänge ergänzen. Zudem lassen sich Gewölle relativ einfach sammeln und auch die Knochen – besonders wenn nicht alle, sondern nur gezielte Knochen beachtet werden – können mit relativ wenig Aufwand aus den Gewöllen isoliert werden. Eine Artbestimmung ist anhand des Gebisses relativ einfach und sicher möglich. Könnte man daneben auch das Geschlecht und Alter feststellen, liessen sich die Eulengewölle für Aussagen zur Populationsstruktur von Mäusen heranziehen.

Die Geschlechtsbestimmung ist relativ einfach am Becken möglich. Doch wissen wir bei Gewöllen nicht mit Sicherheit, welches Becken zu welchem Schädel, d.h. zu welcher Art gehört, es sei denn die Art lässt sich auch am Becken feststellen. Mindestens teilweise ist dies möglich (z.B. Becker 1952, Hecht 1971). Auch für das Alter gibt es am Becken Hinweise (vgl. Brown, Twigg 1969). Ebenso an den Langknochen (Verwachsung der Epiphysenfugen, jedoch ohne Angaben in der Literatur mit welchem Alter diese verwachsen). Am Schädel lässt sich bei Jungtieren das Alter bestimmen (Zahndurchbruch). Daneben sind noch weitere Möglichkeiten denkbar.

Ideal wäre, wenn es einen einzigen Knochen gibt, an dem die Tierart, das Alter und das Geschlecht mit relativ wenig Aufwand relativ sicher bestimmt werden könnte. Damit könnten Gewölle einen wichtigen Beitrag leisten für das Mausmonitoring.

Ausgehend von Alters- und Geschlechtsunterschieden beim Menschen sowie Artunterschiede an verschiedenen Knochen bei Haustieren (Schmid 1972) und bereits konsultierter Literatur zu Mäuseknochen wird die Hypothese aufgestellt, dass dies sowohl am Schädel wie auch am Becken möglich sein sollte, bis zu einer groben Annäherung vielleicht auch an den Langknochen und am Schulterblatt.

Fragestellung

Die Ausgangslage hat bereits die Fragestellung aufgezeigt:

Gibt es einen (grösseren) Knochen im Mausskelett, an dem so wie er in Gewöllen erhalten bleibt, Alter, Geschlecht und Art des Tieres relativ sicher und genau bestimmt werden können?

Um diese Frage zu klären, sind Zwischenschritte nötig, zuerst möglichst viele Merkmale für die Alters-, Geschlechts- und Artbestimmung an verschiedenen Knochen festzustellen. Zweitens sind diese auf die Variationsbreite und Variationsfaktoren zu überprüfen, z.B. inwieweit sich die Unterschiede nach Region oder Jahreszeit unterschieden.

Vorgehen

Untersucht werden folgende Knochen von Mausarten, die in der Schweiz heimisch sind und in Eulengewöllen vorkommen: Schädel, Unterkiefer, Scapula, Pelvis, Humerus, Femur, Ulna, Radius, Tibia, Fibula

Als Erstes erfolgt eine reine Materialsammlung von Knochen aus vielen Gewöllen von unterschiedlichen Eulenarten, Jahreszeiten und Standorten. In einem zweiten Schritt werden die Knochen verglichen um mögliche Merkmale für die Art-, Alters- und Geschlechtsbestimmung festzustellen. Diese müssen anschliessend an Tieren mit sicher bestimmtem Alter und Geschlecht überprüft werden. Hierfür wird angestrebt, Knochen von aus Alters- oder Untersuchungsgründen verstorbenen Labortieren hinzuzuziehen. Dabei muss auch geprüft werden, inwieweit diese mit Knochen aus Gewöllen verglichen werden können, da diese Tiere nicht unter natürlichen Bedingungen aufwachsen.

Weiter stellt sich die Frage, ob es Unterschiede gibt je nach Region, Jahreszeit oder Generationen (falls Material über mehrere Jahrzehnt vorhanden ist). Zudem können allenfalls Altersmerkmale je nach Geschlecht unterschiedlich sein, bzw. Geschlechtsmerkmale zeigen sich je nach Alter der Tiere unterschiedlich. Eventuell gibt es auch weitere Einflussfaktoren (z. B. Prädatoren, die einen Einfluss auf sinnvolle Strategien zur Erhöhung der Fitness haben könnten. Zimmer, Emlen 2013). Um die Kernfragen zu klären, sind also zuerst weitere Fragen zu beantworten.

Die Frage der Menge an zu untersuchenden Knochen wird im Verlauf der Arbeit geklärt. Zu Beginn wird möglichst viel gesammelt. Später wird nach einer Bestandesaufnahme festgelegt, was noch fehlt.

Zitierte Literatur

Becker, 1952, Über Art- und Geschlechtsunterschiede am Becken einheimischer Spitzmäuse (Soricidae). Zeitschrift für Säugetierkunde 20, S. 78–88.

Brown, Twigg, 1969, Studies on the pelvis in British Muridae and Cricetidae (Rodentia). Journal of Zoology 158, S. 81–132.

Hecht, 1971, Vergleichende anatomische und biometrische Untersuchungen an Os coxae, Scapula, Femur und Humerus bei Waldmaus (Apodemus sylvaticus), Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Feldmaus (Microtus arvalis) und Rötelmaus (Clethrionomys glareolus). Säugetierkundliche Mitteilungen 19, S. 132–157.

Schmid 1972, Atlas of Animal Bones/Knochenatlas.

Zimmer, Emlen 2013, Evolution. Making Sense of Life. Kapitel 12.